Geschrieben am 30.11.2009 von Katja Heil in Backpackernews, Wissen 5 Kommentare Trackback
Reisebericht und Fototipps für Peru, Bolivien und Buenos Aires
Liebe mybackpacking Leser, mein Name ist Katja Heil und ich habe die Ehre einen Gastbeitrag zu schreiben. Reisen ist mein größtes Hobby und fotografieren mein Beruf. Wie Ihr Euch sicher unschwer vorstellen könnt, passen beide hervorragend zueinander.
Auch wenn ich im ‚richtigen Leben’ Brautpaare an Ihrem großem Tag mit der Kamera begleite, genieße ich es sehr, mir auf Reisen einen ganz anderen Blick durch den Sucher zu gönnen. Im September diesen Jahres sind wir als Backpacker durch Peru und Bolivien nach Buenos Aires gereist. Immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Schöne daran: Ihr könnt hier mitkucken, einige Tipps zu Peru und Bolivien sammeln und ganz nebenbei ein paar Kniffe für bessere Reisefotos abstauben. Also, kommt einfach mit!
Die Ausrüstung
Wer mit dem Rucksack reist, weiß, dass jedes unnötige Kilo an Gepäck am besten vermieden wird. Man beschränkt sich auf praktische Kleidung, die in verschiedenen Situationen miteinander kombiniert und eingesetzt werden kann.
Mit der Fotoausrüstung ist es nicht anders. Nehmt nur das mit, was ihr wirklich braucht. Wer mit einer Kompaktkamera reist, denkt darüber vermutlich nicht nach. Wer aber mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert, braucht außer ausreichend Speicherkarten ein Weitwinkel- (ca. 12-24mm) und ein Normalobjektiv (18-55mm oder 20-70mm). Mit dieser Kombination schleppt man nicht zu schwer und kann die meisten Situationen fotografisch meistern.
Eine eher kleine Fototasche bringt außerdem niemanden auf dumme Gedanken. Ich packe sogar oft ein Objektiv in einer extra Tasche in den Rucksack und nur die Kamera in die Fototasche. Stativ? Für perfekte Landschaftsaufnahmen (unten: Altiplano Bolivien) sicher sinnvoll, aber wollt ihr das Teil immer mit rumtragen? Das ist eine Glaubensentscheidung, die jeder für sich fällen muss.


Details wahrnehmen
Über diesen Punkt kann man vermutlich ein Buch schreiben. Ich wills kurz halten. Schaut Euch um, macht nicht nur die typischen Standardaufnehmen, die alle Touristen machen. Macht die auch, denn Zuhause freut man sich drüber, aber kuckt auch nach rechts und links und nehmt die Kleinigkeiten wahr. Ein Schattenspiel, die Struktur einer Oberfläche, ein schönes Stillleben …
Spielt dabei mit der Blende. Eine offene Blende (2.8 bis ca. 5.6 oder das Portrait-Programm einer Kompaktkamera) lässt den Hintergrund unscharf werden, lenkt aber den Blick des Betrachters und spiegelt die Stimmung wieder.
Diese Bilder sind im Innenhof des Ninos Hotel in Cusco entstanden. Übrigens eine sehr empfehlenswerte Unterkunft zu vernünftigen Preisen. Es lag eine herrlich friedliche Stimmung im Hof, der sich vom Trubel der Stadt abhob. Dazu die Farbkombination des grauen Steins und des grünen Holzes – wunderbar.


Das ist übrigens der berühmte Coca Tee, der u.a. auch gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Die Wirkung kann ich leider nicht beurteiltn, weil wir zum Glück verschont geblieben sind. Die Geschmack des Tees kann ich dafür umso besser beschreiben: gewöhnungsbedürftig, sehr.

Die Fahrt mit dem Zug von Cusco nach Puno am Titikaka See ist zwar nicht günstig (ca. 200$ p.P.), hat dafür aber eine Menge Orient Express Charme. Eine besondere Art der Fortbewegung mit drei Gänge Menü und Teatime um fünf. Dazu ein Stop auf dem La Raya Pass und Panorama-Wagen am Zugende. Eine nette Abwechslung im Backpacker-Reisealltag …




Eyecatcher suchen
Das Auge sucht unbewusst nach etwas, an dem es ‚hängen’ bleibt. Eine sog. Fixation. Bilder ohne Eyecatcher wirken schnell langweilig, weil der Betrachter drüber weg sieht. Dieses Phänomen hat man oft bei Landschaftsaufnahmen. Das Großartige, das man selbst beim Betrachten der Landschaft empfindet, kommt auf dem Bild nicht rüber.
Sucht daher etwas Interessantes für den Betrachter. Verändert Euren Blickwinkel. Geht mal in die Hocke, oder stellt Euch eine Bank oder eine Mauer und schon sieht die Welt anders aus. Bezieht den Vordergrund, wie z.B. Sträucher, offene Türen oder auch Passanten mit ein. Das wirkt wie ein natürlicher Rahmen und gibt dem Bild Tiefe.
Hier ein paar Beispiele aus Moray, einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt im Valle Sagrados de las Incas.



Und den Salzterrassen von Maras, die ebenfalls im heiligen Tal liegen und sich gut innerhalb einer Tagestour besichtigen lassen. Wir haben uns für diese Tour einen Guide gebucht, der uns in die Kultur der Inka eingeweiht hat.



Noch ein paar Eindrücke aus der Salar de Uyuni. Dort gibt’s eine Insel mit über 1.000 Jahre alten Kakteen.



Das Leben ist draußen
In Peru und Bolivien spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Einheimischen tragen oft farbenprächtige Kleidung, verkaufen etwas, verhandeln, gestikulieren, diskutieren. Teil dieses Lebens zu sein, macht Reisen so wertvoll. Als Individualreisender findet man leicht Kontakt zu Einheimischen, besonders mit ein paar Brocken Spanisch.
Begleitet diese Situation mit der Kamera. Spielt ein bisschen Journalist, habt keine Scheu alltägliche Situationen festzuhalten. Eins aber nicht vergessen: vorher das Einverständnis des zu ‚Motivs’ einzuholen. Oft reicht ein offener Blick, ein Lächeln und ein Deuten auf die Kamera, um ein Nicken zu erhalten.
In Bolivien gibt’s überall Popcorn zu kaufen. Ein günstiger und leckerer Snack zwischendurch. So wie hier in La Paz.



In Chinchero konnten wir in einer Einrichtung Frauen beim Färben von Wolle, anschließendem Spinnen und Weben beobachten. Am Ende sind wir nicht nur mit interessanten Bildern, sondern auch einem handgewebten Tischläufer weiter gefahren.



Auch mal ohne Klick
Und dann gibt’s auch noch Momente, in denen man die Kamera einfach mal Kamera sein lässt. Weil es wichtiger ist den Moment zu erleben und zu genießen, als sich um das Foto zu kümmern.
Bei der Mountain Bike Tour auf der Death Road hatte ich keine Kamera dabei. Eigentlich, weil ich sie nicht auf dem Rad transportieren wollte. Während der Tour war ich aber umso froher darüber, denn so konnte ich mich ganz auf die Straße und das Biken konzentrieren. Und das Erlebnis dieser Straße war wirklich einzigartig!
Wir können Euch Gravity Tours als Veranstalter sehr empfehlen. Top Räder, super Guides, klasse organisiert und so sicher, wie nur möglich. Und Bilder machen die auch die Guides, so dass ich Euch doch ein paar dieser beeindruckenden Strecke zeigen kann.




Von unserem Hostel Elefante Rosa in Buenos Aires gibt’s ein paar Bilder, aber von der Bar, die uns Hostel Inhaber Diego empfohlen hat, gibt’s keine. Dafür bekommt ihr hier einen Geheimtipp, denn in der Bar de Cao gibt’s erstklassige argentinische Steaks zu günstigen Preisen und garantiert keine Touristen (leicht mit der lila oder gelben U-Bahnlinie zu erreichen):
Bar de Cao
Av. Independencia 2400
San Cristobal – Buenos Aires
Das Elefante Rosa hat einen herrlich historisch, antiken Charme und spiegelt die Liebe der Agentinier zu Antiquitäten wieder. Ein bisschen wie bei Omi, zum Glück aber kombiniert mit modernen Schlaf- und Badezimmern. Und zum Frühstück bedient man sich einfach an frischen Croissants, nimmt sich Kaffee und blättert in einer Zeitung.



Und zum Abschluss noch ein kleiner Shopping-Tipp für die Mädels in Buenos Aires, ebenfalls ohne Foto. Hier gibt’s alles, was das Damenherz höher schlagen lässt, Handtaschen, Tücher, Schmuck, Bademode, Unterwäsche…
La Mercería
Armenia 1609
Palermo – Buenos Aires
Ich hoffe, die Kombination aus Reise- und Fototipps hat Euch Lust auf die nächste Reise gemacht. Hinterlasst einen Kommentar, oder meldet Euch, wenn Ihr Fragen habt!
Erik, am 1. Dezember 2009 um 14:49 Uhr
Hallo Katja, wirklich tolle Fotos muss ich sagen. Was mich interessieren würde: Wieviel hast du im Nachhinein noch nachbearbeitet?
Katja, am 7. Dezember 2009 um 21:55 Uhr
Hi Erik,
alle Bilder sind im RAW Format fotografiert, was die nachträgliche Bearbeitung enorm vereinfacht. ‘Viel’ hab ich nicht verändert, meist nur den Kontrast und die Helligkeit angepasst und ein wenig die Farben intensiviert (Sättigung und Klarheit hoch), weil die in der gleißenden Sonne blass wirken.
Nachbelichtungen an die Rändern verstärken außerdem die Tiefe bei Landschaftsbildern.
sabine, am 10. Dezember 2009 um 21:10 Uhr
hallo katja, wunderschöne fotos und beschreibung. einfach mal ein anderer blickwinkel. erinnert mich an meine reise von 17 jahren nach peru. allerdings hatte ich die höhenkrankheit. und der matetee schmeckt wirklich nicht besonders. ob er mir damals viel geholfen hat, weiß ich nicht. – aber, er gehöhrt dazu. gruß sabine
Frohe Weihnachten! » Katja Heil Fotografie, am 25. Dezember 2009 um 14:11 Uhr
[...] auf mybackpacking.de hab ich nen Gastartikel zur Reise geschrieben. Wenn Ihr Fragen habt oder Tipps braucht, meldet Euch [...]
Kop, am 13. September 2010 um 18:10 Uhr
Super Artikel. Tolle Fotos. Macht Lust auf mehr …